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Rosenmontags-Workshop der TSTV 2014: Sportmotorik meets Mechanik – Bewegungslehre für Trainer

Energetische Potenziale voll ausschöpfen: das geht auch im Tanzsport und für Tanzsportler, auch wenn es in unserer Sportart nicht so leicht messbar ist.

Und die Trainerinnen und Trainer haben am Anfang viele Fragezeichen in den Augen, als der Referent sie mit der Frage konfrontierte: was ist eigentlich Sport und was ist Tanzen?

Rosenmontagstreff der TSTV vom 03.03.2014 in Wiesbaden

Sandro Hoffmann bringt natürlich den Erfahrungshintergrund zur Erarbeitung dieses Themas mit: er war selbst erfolgreicher aktiver Tänzer in der Lateindisziplin und ist Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Sportmotorik. Er unterteilt das sehr komplexe Thema in sechs Bereiche:

                    1. Tanzen und Sport
                    2. Was bedeutet Sportmotorik?
                    3. Tanzen gestern und heute
                    4. Grundsätzliche Bewegungsprinzipien der Sportmotorik
                    5. Symbiose von Tanztechnik & Mechanik
                    6. Standbeinarbeit: die Rolle der Füße und Beine

 

Zu 1. Tanzen und Sport

  • was ist Sport?  hier geht es um verschiedene Bewegungs- und Spielformen, eine abweichende Motorik von der Alltagsmotorik, eine körperlich-motorische Aktion und um Wettkampf- und/oder Bewegungskultur.
  • und was ist nun Tanzen?  Tanzen heute ist eine Kombination aus Sport, Kunst und Show. Alle drei Elemente sind dabei zusammen erforderlich.

Zu 2. Was bedeutet Sportmotorik?

Rosenmontagstreff der TSTV vom 03.03.2014 in Wiesbaden

  • hier geht es um die wissenschaftliche Frage nach einer funktionalen Betrachtungsweise und nach der Sinnhaftigkeit: wenn ich etwas tue, frage ich zuerst warum ich das tue!
  • Sportmotorik verbindet die Aussen- und Innensicht der Bewegung
  • und Sportmotorik zielt auf die Gesamtheit aller Mechanismen, Prozesse, Strukturen und Funktionen im Körper.

Zu 3. Tanzen gestern und heute: was ist gefragt? was hat sich geändert?

  • Choreografie: früher linear, heute dreidimensional
  • Rhythmen: früher einfacher, heute viel „dichter“ mit vielen Veränderungen
  • Aktionen: heute viel mehr Isolation und höhere Risiken
  • Dynamik: heute viel schneller mit vielen Wechseln
  • Rollenverteilung: heute viel emanzipierter
  • Technikarten: hier unterscheiden wir zwischen Verlaufsorientierter Technik(= der Schwerpunt liegt auf der Esthetik) und  Ergebnisorientierter Technik (= nur das Ergebnis zählt)

Zu 4. Grundsätzliche Bewegungsprinzipien der Sportmotorik

  • heute gibt es eine klare Bewegungsstruktur mit einzelnen Bewegungsphasen, d.h. jede Aktion hat eine Vorbereitungsphase, die energetisch im Körper vorbereitet wird.
  • das Ziel ist es, die energetischen Potenziale im Körper voll auszuschöpfen. Die zentrale Frage ist: ist die Kraft Freund oder Feind des Tänzers?
  • Sandro Hoffmann plädiert klar für die Kraft als Freund das Tänzers, denn: je besser ein Muskel trainiert ist umso besser ist auch die Konzentration und die Ökonomie des Kraftverbrauchs. Ein gut trainierter Muskel macht beweglicher und gibt die Möglichkeit für höhere Geschwindigkeiten.
  • den Unterschied auch für den Tänzer liegt in der Art der Kraft und in ihrem gezielten Einsatz. Wir unterscheiden: Kraftausdauer, Maximalkraft, Schnellkraft und reaktive Kraft bzw. Geschwindigkeit (z.B. Gegenbewegung, Ausholbewegung)
  • was heißt das nun für den Tänzer: er muss erkennen und verstehen: das Prinzip der höchsten Anfangskraft und das Prinzip des optimalen Beschleunigungsweges. Sein Handwerkszeug dafür sind: Rotation, Shapes und die ausgeprägte Bewegungsstruktur.

Rosenmontagstreff der TSTV vom 03.03.2014 in WiesbadenIm 2. Teil des Workshops stellt Sandro Hoffmann als Höhepunkt des Abends das Zusammenwirken von Tanztechnik und Mechanik und die besondere Rolle von Füssen und Beinen (= Standbeinarbeit) am praktischen Beispiel dar: und diese Darstellungen am „tänzerischen“ Objekt waren natürlich der „Hammer“: die Deutsche Meisterin und dritte der Weltmeisterschaft Latein Nina Bezzubova und unsere hessisches Spitzenpaar und Semifinalisten der Deutsche Meisterschaft Standard Isabel Tinnis und Grigorij Gelfond.

Die Aktiven demonstrieren sehr deutlich in verschiedenen Stufen und Vergleichen den Einsatz von weniger und mehr „Kraft“ gemäß den dargestellten Prinzipien. Mit diesem ausdrucksstarken praktischen Teil demonstriert Sandro Hoffmann noch einmal nachvollziehbar für die Betrachter, wie man energetische Potenziale im Tanzsport voll ausschöpfen kann.

TSTV-Präsident Adalbert Wigger nahm den Wunsch der Trainerinnen und Trainer mit nach Hause, dieses Thema bei einer anderen Gelegenheit fortzusetzen, natürlich mit Sandro.

Friedel Frech (Trainer-B, Wetzlar)

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